Was für ein Pokalabend im ausverkauften Leuna-Chemie-Stadion! Vor 14.000 Zuschauern lieferte der Hallesche FC dem favorisierten FC Schalke 04 einen leidenschaftlichen und lange Zeit völlig offenen Kampf. Am Ende musste sich der Regionalligist erst in der Verlängerung mit 2:5 geschlagen geben. Die Sensation war zum Greifen nah.
Von Beginn an zeigte der HFC, dass er sich keineswegs verstecken wollte. Die Mannschaft von Robert Schröder trat mutig auf, verteidigte konzentriert und setzte immer wieder offensive Akzente. Kurz vor dem Halbzeitpfiff belohnte sich Halle schließlich für einen starken ersten Durchgang: Nach einer Ecke war es Innenverteidiger Vin Kastull, der den Ball zur umjubelten 1:0-Führung über die Linie brachte.
Für den 21-Jährigen war es ein besonderer Abend. Nach zuvor lediglich zwei Kurzeinsätzen in der Regionalliga hatte Schröder ihn überraschend in die Startelf beordert – und Kastull zahlte das Vertrauen eindrucksvoll zurück. Sein Trainer hatte ihm vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben, dafür zu sorgen, dass ihn an diesem Abend möglichst viele Menschen kennenlernen. Das gelang ihm eindrucksvoll.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Schalke den Druck. In der 62. Minute nutzte der Bundesligist einen Fehler im HFC-Strafraum und kam durch Ljubicic zum Ausgleich. Halle hielt jedoch weiter dagegen und machte dem Favoriten das Leben schwer. In der 81. Minute bekam Schalke einen Strafstoß zugesprochen, den Edin Džeko zur 2:1-Führung verwandelte.
Die Partie schien entschieden – doch der HFC gab sich nicht geschlagen. Tief in der Nachspielzeit sorgte Niclas Stierlin für einen der emotionalsten Momente des Abends. Sein technisch starker Dropkick schlug zum 2:2 im Schalker Tor ein. Das Stadion explodierte förmlich, und Halle hatte sich damit tatsächlich in die Verlängerung gerettet.
„Pure Emotionen, pure Freude“, beschrieb Stierlin später die Szene. Der Treffer war zugleich der verdiente Lohn für einen Auftritt, bei dem der HFC über weite Strecken über sich hinausgewachsen war.
In der Verlängerung machte sich schließlich der Kräfteverschleiß bemerkbar. Schalke nutzte seine individuelle Qualität und ging durch Moussa Sylla in der 98. Minute erneut in Führung. Adamou erhöhte in der 105. Minute auf 4:2, ehe Džeko mit seinem zweiten Treffer in der 117. Minute endgültig für die Entscheidung sorgte.
Besonders bitter: Kurz vor Ende der Verlängerung musste Vin Kastull nach einem Zusammenprall mit seinem eigenen Torhüter Luca Bendel behandelt werden. Der Verteidiger war nach eigener Aussage kurzzeitig benommen und durfte aus medizinischen Gründen nicht mehr auf den Platz zurück. Da das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft war, musste Halle die Schlussphase in Unterzahl bestreiten.
Trotz der letztlich deutlichen Niederlage erhielt der HFC nach Abpfiff viel Anerkennung. Auch Schalke-Trainer Miron Muslic lobte den Auftritt der Hallenser und sprach von einem echten Pokalfight. Robert Schröder zeigte sich ebenfalls stolz auf seine Mannschaft: „Dass meine Mannschaft da noch einmal zurückgekommen ist, verlangt großen Respekt.“
Der HFC hat an diesem Abend zwar den Einzug in die nächste Pokalrunde verpasst, aber gleichzeitig eindrucksvoll gezeigt, was in der Mannschaft steckt. Nach bislang durchwachsenem Saisonstart in der Regionalliga könnte der Auftritt gegen Schalke genau der Impuls sein, den das Team benötigt.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstag wartet mit Hertha BSC II wieder der Liga-Alltag. Dann muss der HFC beweisen, dass er die Energie und das Selbstvertrauen aus diesem außergewöhnlichen Pokalabend mitnehmen kann.
Bilder: Sebastian Kraneis






























































































































































































































































































































